Ein neues Nikkor: 180-400mm mit eingebautem Telekonverter

Ein kleiner persönlicher Bericht zum Nikon Nikkor 180-400mm 1:4E TC1,4 VL ED VR. (Welch einpräsamer Name.) Wer Testcharts und Diagramme zu Auflösung, Vignettierung und so weiter erwarte, muss ich enttäuschen.

Auf der Norwegenreise 2010 hatte ich ein Nikon Nikkor 80-400mm mit dabei. Dieses Objektiv hatte ich damals schon lange, aber kaum benutzt. Auf dieser Reise sah ich zum ersten Mal Moschusochsen und musste zu meinem Bedauern feststellen, dass mich die Qualität dieser Linse nicht überzeugte. Nach der Reise kaufte ich mir beim Fotohändler meines Vertrauens halbspontan (Ich hatte 2 Wochen überlegt) eine gebrauchte 400mm Festbrennweite. Mit dieser langen und schweren Röhre ausgerüstet, beschäftigte ich mich immer mehr mit der Tierfotografie. Im Gegensatz zum 80-400mm Zoom war diese Festbrennweite wirklich scharf und leistete mir gute Dienste. Da ich mit der Zeit merkte, dass der Autofokus nicht der schnellste war, trug ich mich schon letztes Jahr mit dem Gedanken, das Objektiv auszutauschen. Aber der Preis für Festbrennweiten dieses Kalibers ist nicht ohne und so zögerte ich, bis…

Im Januar dieses Jahres kündigte Nikon ein Zoomobjektiv 180-400mm mit eingebautem Telekonverter an. Am Morgen las ich die Mitteilung auf Twitter, am Mittag stand ich bei Foto Marlin in Basel im Geschäft und bestellte das Objektiv unbesehen. Am 8.März war es soweit, ich durfte mein neues Objektiv abholen. Der erste Eindruck: Massiv, aber etwas leichter als meine alte 400mm-Festbrennweite und der Schwerpunkt liegt näher an der Kamera. Zoom- und Fokusring laufen gut, ohne lose zu wirken. Auch die Stativschelle liegt satt an, bei meinem alten Objektiv hatte ich immer den Eindruck, dass da ein klein wenig Spiel war.

Handhabung

Meine ersten Versuche führten mich in den Zolli. (So nennen Basler ihren Zoo.) Klar ist das Objektiv kein Fliegengewicht, lässt sich aber gut in der Hand halten. Wenn ich es mit der linken Hand am vorderen Ende des Griffs unterstütze, kann ich mit Daumen und Zeigefinger den Zoomring gut drehen. Wenn ich das Objektiv am der Schulter angehängt trage und es nach unten zeigt, dann verschiebt sich der Zoom selbständig in Richtung 180mm. Ich vermute, dass das dadurch passiert, weil die Linsengruppe durch die Schwerkraft nach unten gezogen wird und der Zoomring an meiner Jacke schleift und sich dabei mit jeder Bewegung ein wenig verstellt. Wenn ich schräg nach oben oder unten fotografiere, bewegt sich das Zoom nicht selbständig.

Den eingebaute Telekonverter kann ich mit dem Mittel- und Ringfinger der rechten Hand bedienen, ohne das Auge vom Sucher und den Zeigefinger vom Auslöser zu nehmen. Ich greife allerdings oft daneben, weil ich den Hebel zu weit Vorne suche. Bis ich das im Schlaf beherrsche, muss ich noch ziemlich üben. Dieser zuschaltbaren Telekonverter ist ein Highlight. Wenn ich mit der Festbrennweite etwas mehr Brennweite wollte, dann hiess das, Kamera vom Objektiv abnehmen, Konverter ans Objektiv ansetzen, Kamera wieder dran. Und jetzt? Einfach einen Hebel umlegen und weiter fotografieren.

Schneeleopard

Ein Schneeleopard im Zolli: Zuerst das ganze Tier und…

Schneeleopard

Schneeleopard im Basler Zolli: …als er den Kopf drehte rasch am Zoom gedreht und ein Portrait gemacht.

Bei einem Ausflug ins Neeracher Ried schätzte ich die Vielseitigkeit dieses Objektivs. Wir erblickten eine über einem Gehöft kreisende Gruppe Greifvögel. Rasch ein Übersichtsfoto bei ca. 200mm Brennweite, dann einen Vogel mit 400mm herauspicken. Reicht noch nicht, also Telekonverter zuschalten und schon stehen 560mm zur Verfügung. Alles mit dem gleichen Objektiv!

Greifvögel über dem Neeracher Ried

Greifvogelversammlung: Fotografiert mit 250mm

Rotmilan

Rotmilan: Fotografiert mit 550mm

Nähe

Im Zolli fotografierte ich einen Kleiber und später an der Birs einen Zaunkönig. Erst als ich beide Fotos am Computer betrachtete, wurde mir bewusst, dass ich beide auf eine Distanz weniger als 3m aufgenommen hatte. Die Nahgrenze zum Fokussieren liegt bei etwa 2m, bei meiner alten Festbrennweite lag sie deutlich darüber. Gerade beim Fotografieren von Singvögel ist es ganz praktisch, wenn man auch noch in der Nähe scharf abbilden kann.

Kleiber

Kleiber beim Ausbau der Nisthöhle

Zaunkönig

Zaunkönig an der Birs

Qualität

Zur Abbildungsqualität kann ich nicht viel sagen. Ich benutze das Objektiv mit einer Nikon D5 und für mich sehen die Bilder mit und ohne zugeschaltetem Telekonverter scharf aus. Fotozeitschriften mit Messcharts oder Fotografen mit der Nikon D850 können dazu sicher mehr sagen. Bei monochromen Hintergründen ist in den Rohdaten eine deutliche Vignettierung sichtbar, die sich aber in der Bildbearbeitung problemlos korrigieren lässt. Und welches Objektiv ist heute ohne Vignettierung?

Erdmännchen, einmal ohne Telekonverter fotografiert

Ausschnitt aus dem vorherigen Bild

Erdmännchen, einmal mit Telekonverter fotografiert

Ausschnitt aus dem vorherigen Bild

 

Mein Fazit

Ob man es sich ein so teures Objektiv leisten will, muss jeder für sich selber entscheiden. Ich selber bereue den Kauf nicht, ich schätze die Vielseitigkeit und den schnelleren Autofokus. Auf meinem nächsten Urlaub wird die alte 400mm-Festbrennweite ihren Platz im Fotorucksack zugunsten des 180-400mm Zooms räumen müssen.

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