Schlaflos

Wir lösten uns von der Eisscholle die uns in der Nacht halt geboten hatte und setzten unsere Reise nordwärts fort. Im Eisfeld vor dem Bärensund begegnete uns nochmals ein Eisbär. Auch dieser ging uns lieber aus dem Weg. Deshalb setzten wir unsere Reise fort. Bald liesen wir das Eis hinter uns und erreichten nach etwa 3 Stunden einen Vogelfelsen.

Am Felsen herrschte starker Flugverkehr. Jeder Fluglotse würde verzweifeln, aber die Lummen und Möwen navigierten ohne Zusammenstösse vor dem Felsen. Nur bei der Wahl des Landeplatzes gab es manchmal Diskussionen. Um uns die ganze Breite Vogelfelsens zu präsentieren setzte unser kapitän die Freya im rechten Winkel vor das nördliche Ende des Felsen. Dann lies er die Freya vom Wind nach Süden trieben und mit sanften Korrekturen durch das Bugstrahlruder hielt er den Winkel zum Felsen bei. Zweimal wiederholte er das Manöver, dann setzten wir unsere Reise nordwärts fort.

Bei einer kleinen Lagune stiegen wir in die Schlauchboote um. Wir hofften, hier Robben oder Walrösser zu finden. Aber ausser einem Schwarm Eider- und Prachteiderenten war die Lagune verlassen. Leider waren die Enten nicht sehr kooperativ als wir sie fotografieren wollten. Immerhin entdeckten wir einen Hybrid, eine Kreuzung zwischen Pracht- und Eiderente. Ausserdem sah ich zum ersten Mal ein Prachteiderentenweibchen. Diese sind so schlicht wie die Weibchen der Eiderenten, aber viel heller.

Erste Nachtausfahrt

Kurz vor neunzehn Uhr erreichten wir eine kleine Inselgruppe. Dort ankerten wir und nahmen das Nachtessen ein. Gestärkt stiegen wir in die Zodiaks um die Inseln zu erkunden. Zu unserer Freude entdeckten wir gleich auf der ersten Insel eine Bärin mit zwei Jungen. Sie war überrascht uns zu sehen und flüchtete mit ihren Jungen ins Wasser. Nach etwa 50 Meter merkten sie, dass wir ihnen nicht folgten. Das Trio schwamm zurück und musterte uns eine Weile vom Ufer aus. Als die Bärin überzeugt war, dass wir nur Fotografen und keine Jäger waren, wanderte sie mit den Kleinen etwas weitere ins Innere der Insel. Geduldig warteten wir in den Schlauchbooten, was weiter passieren würde. Wir wurden belohnt. Vor unseren Augen setzte sich die Bärin hin und säugte ihre Jungen. Danach legte sich das Trio hin und schlief ein. Da es bereits gegen Mitternacht ging, fuhren auch wir zurück zum Schiff um uns etwas aufzuwärmen.

Zweite Nachtausfahrt

Bären mit Plastik

Plastik

Kurz nach Mitternacht fuhren wir wieder hinüber zur Bärenfamilie. Dieses Mal allerdings nur mit zwei Zodiaks, den ein Teil von uns war zu müde um weiter in der Kälte auszuharren. Wir anderen wurden belohnt. Die Familie war wieder aufgewacht und wanderte auf der Insel umher. Schliesslich liesen sie sich auf einem kleinen Schneefeld am Ufer nieder. Während die Mutter auf dem kühlen Schnee eindöste, spielten die Jungen miteinander. Das wäre ein wirklich süsser Anblick gewesen, hätten die beiden nicht ausgerechnet mit einem Stück Plastik gespielt. Auch in diesen arktischen Breiten, fern der nächsten Siedlung verbreitet sich unser Müll.

Inzwischen hatte es zu schneien begonnen und der Wind blies uns die Eiskristalle ins Gesicht. Da die Jungen des Spiels überdrüssig waren und ebenfalls schliefen fuhren wir um drei Uhr wieder zur Freya zurück.

Dritte Nachtausfahrt

Nochmals wärmten wir uns mit Tee oder Kaffee und einem belgten Brötchen auf. Nunmehr auf fünf Personen geschrumpft, fuhren wir mit einem Zodiak zur Insel hinüber. Die Familie hatte sich nicht vom Fleck gerührt und döste noch immer. Die Mutter hatte uns wohl gesehen, aber war nicht beunruhigt. Es war etwas besonderes, nur etwa fünf bis zehn Meter vom Ufer entfernt in einem Schlauchboot zu sitzen und dieser Eisbärenfamilie beim Schlafen zuzusehen. Ich hoffe, dieses Erlebnis wird noch vielen Generationen vergönnt sein.

Zwei Stunden sahen wir den Dreien beim Schlafen zu, dann fuhren wir zur Freya zurück, um vor dem Frühstück ebenfalls ein wenig Schlaf zu bekommen.

Dazugehörige Bilder

Ein Gedanke zu „Schlaflos

  1. Einmal mehr tolle Bilder. Um so mehr als wir dabei waren in jener Nacht. Was für ein glücklicher Moment. Und ja, schlaflos war es. Herzlichen Dank auch für die tollen Berichte.
    Rolf

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